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Anorganische Pigmente beweisen ihre Stärke auch in biologisch sensiblen Bereichen

Anorganische Pigmente beweisen ihre Stärke auch in biologisch sensiblen Bereichen

Tierisch gut

Anorganische Pigmente sind mit natürlich vorkommenden Eisenoxiden chemisch vergleichbar und deshalb ebenso unbedenklich für die Umwelt. Hinsichtlich ihrer Farbgebung sind sie aber den natürlichen Vertretern aufgrund ihrer höheren Reinheit und Teilchenmorphologie deutlich überlegen. Außerdem sind die synthetischen Eisenoxide sehr stabil und in Wasser praktisch unlöslich – eine ­wichtige Voraussetzung für den sicheren Umgang mit ihnen und eine umweltgerechte Verarbeitung. ­Einsatzgebiete sind in erster Linie die Bau-, Farben- und Lackindustrie, aber die bei Lanxess ­produzierten ­Pigmente dienen auch für die Einfärbung von Kunststoffen oder Papier. Bei manchen Spezial­an­wendungen werden die farbstarken Produkte „tierisch geschätzt“.

Der junge Bartgeier Fausto soll im Frankfurter Zoo für Nachwuchs sorgen, wenn er in einigen Jahren das Mannesalter erreicht hat.

Biotop en miniature

Wer für Reptilien wie Schlangen, Schildkröten sowie Echsen oder Spinnen und andere Insekten ein Terrarium einrichten möchte, muss viele Parameter berücksichtigen. Schließlich sollen die exotischen Tiere artgerecht gehalten werden. Einrichtungen werden daher so gestaltet, dass Sand, Felsen, Tränken und Höhlen den Vorbildern aus dem natürlichen Lebensraum entsprechen. Zwar gibt es in Zoofachgeschäften eine reichhaltige Auswahl, doch viele Tierhalter ziehen Eigenkreationen vor.

Seit Langem haben sich Eisenoxidpigmente wie Bayferrox 110 und Bayferrox 960 für die Einfärbung bewährt. Dazu wird das Pigmentpulver unter anderem mit Lehm oder Epoxidharz vermischt und möglichst ungleichmäßig auf eine Oberfläche aufgebracht. Eine individuelle Felsenoptik entsteht z.B. aus Mörtelmasse, die mit schwarzen Pigmenttönen eingefärbt wird. Das ­Abstreuen mit eingefärbtem Quarzsand sorgt bei einer Epoxidharzkreation im letzten Schritt nicht nur für eine natürliche Farb­gebung, sondern macht die Oberfläche auch griffiger.

Auch der Mensch erfreut sich beim Zoo­besuch an attraktiv gestalteten Wänden, die optisch auf den Lebensraum der jeweiligen Tierart einstimmen. Seien es mit Dispersionsfarben gestrichene oder bemalte Betonoberflächen, die Flora und Fauna imitieren sollen, oder Betonelemente, die dank eingefärbtem Spritzbeton zu spannenden Kletterfelsen verwandelt wurden. Die ­Wände des 1975 gebauten Affenhauses im Krefelder Zoo beispielsweise sind nicht nur betongrau, sondern muten dank der Gelbpigmente wie natürlicher Sandstein an.

Eine Chance für die Liebe

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) ist ein Greifvogel aus der Familie der Habicht­artigen. Er ist in Afrika ebenso zu finden wie in den Pyrenäen, einigen Bergregionen Südeuropas, in den Tauern und in Gebirgen des südwestlichen und zentralen ­Asiens, der Mongolei und Zentralchina.

Bartgeier färben sich aus noch unbekannten Gründen den Bauch mit rotem, eisenoxidhaltigem Schlamm ein. Fachleute vermuten, dass damit die visuelle Signalwirkung auf mögliche Partner verbessert wird. Die Freilandbeobachtung dieses ­Verhaltens bei den sehr seltenen Vögeln ­gelang erstmals im Mai 1995. Im Jahr 2002 konnte das Verhalten auch für Schmutzgeier nachgewiesen werden, sie bevor­zugen jedoch gelblichere Töne.

In seinem natürlichen Lebensraum findet der Bartgeier entsprechende Böden für sein „Farbbad“. Um den Vögeln auch im Zoo den Zugriff auf die anscheinend für die Fortpflanzung wichtige Signalfarbe zu geben, legen Tierpfleger extra so genannte Rotbadestellen an.

Im Frankfurter Zoo bekommen der dreijährige Bartgeier Fausto und seine zwei Jahre ältere Partnerin pigmentierte Erde angeboten, um das Gefieder zu färben. Es ist zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, dass ­Eisenoxide für gute Nachwuchsraten verantwortlich sind, aber die Rotfärbung scheint für die Balz förderlich zu sein.

Pigmente sorgen für das richtige Gleichgewicht

Eisenoxidpigmente kommen auch in der Aquaristik bei der Wasseraufbereitung zum Einsatz. Bayoxide E33 kann in Aquarien für die Bindung von Phosphaten verwendet werden, um beispielsweise Algenbildung zu verhindern. Dazu wird ein mit Eisen­oxid befüllter externer Filter an jedes Becken angeschlossen und das Wasser in einem fortlaufenden Kreislauf gereinigt. Das Granulat bindet die Phosphate und kann so effektiv Wasser von Süß- und Meerwasserbecken filtern. Der Einsatz eignet sich für normale Fischaquarien, aber auch für reine Korallenbecken mit unterschiedlichen Arten dieser sessilen, koloniebildenden Nesseltiere.

Bayoxide E 33 besteht aus a-FeOOH (Goethit) mit einer sehr hohen Oberfläche und Adsorptionskapazität. Die Granulate sind gegenüber einem Abrieb im Wasserstrom stabil. Sie sind in einer Korngröße von 0,5–2mm auf dem Markt und besitzen eine Schüttdichte von 0,4–0,6g/cm3. Das Eisenoxid hat – verglichen mit herkömmlichen Adsorbtionsmedien – eine wesentlich höhere Adsorptionskapazität. Aus diesem Grund kann der Adsorber länger betrieben werden. Das Medium zeichnet sich gleichzeitig durch eine enorm hohe Abriebstabilität aus, sodass das Filterbett auch ohne Konditionierung durch Rückspülen klar abläuft. Zwar ist das Granulat teurer als die herkömmlich in Aquarienfilter verwendete Aktivkohle, besitzt dafür aber eine bemerkenswert lange Standzeit.

Die Adsorbersysteme sind für alle Kapa­zitäten verfügbar und auch in Kleinanlagen mit geringen Durchflussraten einsetzbar. Pilotversuche oder Labortests können jederzeit unternommen werden, um die Parameter für eine Großanlage zu ermitteln. In Deutschland können Pilotstudien und Auslegungen der Anlagen durch die MionTec GmbH, Leverkusen erfolgen.

Darüber hinaus sind synthetische Eisen­oxide des Kölner Spezialchemie-Konzerns Lanxess in zoologischen Gärten der ganzen Welt im Einsatz. In Fassadenfarben, Putz, Betondach- und Pflastersteinen sowie Mulch bzw. Holzhäcksel oder sogar Asphalt bringen sie Farbe in die Tierwelt.

Bild: Winfried Faust©Zoo Frankfurt

C&M 4 / 2014

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe C&M 4 / 2014.
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