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Effizienzanforderungen als Innovationstreiber für intelligente Pumpensysteme

Effizienzanforderungen als Innovationstreiber für intelligente Pumpensysteme

Der Zukunft einen Schritt voraus

Pumpen sind für ca. 10% des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Wie reagieren die Hersteller auf neue Effizienz-Standards und Kostendruck bei ihren Kunden? chemie&more sprach mit Martin Palsa, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Grundfos GmbH, über die Positionierung seines Unternehmens in der Chemie und seine Erwartungen an 2015.

Herr Palsa, seit gut einem Jahr haben Sie nun die Geschäftsführung der Grundfos GmbH inne. Was waren und sind die spannendsten Herausforderungen in dieser neuen Aufgabe?

Mit rund 400 Mitarbeitern betreuen wir in Deutschland den größten Einzelmarkt der Grundfos-Gruppe – und weil dieser Markt so attraktiv ist, tummeln sich hier auch die meisten Wettbewerber. Das ist schon mal für sich allein gesehen eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass ich in Personalunion als Area Manager die Vertriebsgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz koordiniere. Unser Ziel ist es, vertriebstechnisch Synergien zu schaffen, dabei das ­Produkt- und Serviceangebot zu erweitern, ohne die lokale Präsenz zu vernachlässigen. Synergien nutzen uns als Unternehmen, zugleich können wir unseren Kunden gegenüber noch leistungsfähiger auftreten. Das kann man nicht irgendwann als „getan“ abhaken. Daran arbeitet man permanent.

Basis ist für mich in jedem Fall, den Leit­gedanken der Kundennähe zu vertiefen.

Zum Jahresanfang 2015 trat die 2. Stufe der EU-Ökodesign-Richtlinie in Kraft. Wie hat sich das Weltunternehmen Grundfos auf diesen neuen Standard vorbereitet?

Da wir selbst die Ökodesign-Richtlinie aktiv mit vorangetrieben haben, sind wir selbstverständlich auf die neuen Standards vorbereitet. Sogar mehr als das: Grundfos erfüllt bereits die Anforderungen der Motoren-Richtlinie von 2017 und stellt IE2-Motoren gar nicht mehr her. Der von uns selbst entwickelte und gefertigte MGE-­Motor erfüllt die Effizienzklasse IE3 – die Modelle bis 2,2kW übertreffen sogar die in der IEC TS 60034-31 Ed.1 angeführten IE4-Anforderun­gen. Auch bei den Richtlinien für Nassläufer-Umwälzpumpen und Trockenläufer-Wasserpumpen erfüllen bzw. übererfüllen wir die Vorgaben. Grundfos ermuntert Brüssel schon seit Jahren, strengere Effi­zienz- und Wirkungsgradanforderungen festzulegen – das kommt nicht ­häufig vor, dass die Industrie von der ­Politik strengere Richtlinien einfordert.


Abb.1 Energieeffiziente Pumpentechnik hat für die Wettbewerbsfähigkeit der Prozessindustrie hohe Priorität.

Welche Rolle spielt die Prozesstechnik, ­also Industriebranchen wie die Chemie, für Grundfos und welche Technologien bietet Ihr Unternehmen hier an?

Wir sind in der glücklichen Lage, Lösungen sowohl für die Prozessseite als auch für praktisch die gesamte periphere Technik, also die Versorgung mit Brauchwasser bzw. die Entsorgung von Abwasser sowie die Klimatisierung und Kühlung/Temperierung anzubieten. Neuere Entwicklungen für die Prozessindustrie sind Hochdruckpumpen BMS für den Einsatz in Umkehrosmoseanlagen, die selbstansaugenden Hybridpumpen GHP zum Fördern gashaltiger Medien oder Norm-und Blockpumpen NB/NK aus Edelstahl sowie intelligente Sensoren.


Abb.2 Die hohe Fertigungstiefe umfasst auch die elektronischen Komponenten.

Welche Lösungen bevorzugt Grundfos bei der Einbindung der Pumpen und Komponenten in die Prozessleittechnik?

Die Einbindung unserer Systemlösungen in übergeordnete Leitsysteme ist über analoge und digitale Schnittstellen möglich. Für die digitale Datenbus-Anbindung stehen Module für Profibus-DP, MODbus-RTU und LONWorks zur Verfügung. Unverkennbar geht die Entwicklung parallel auch zur dezentralen Intelligenz auf Komponentenebene – unter anderem mit dem Ziel, die Anlagentechnik flexibel zu halten. Dazu können unsere Pumpensysteme vor Ort per Mikroprozessor und hinterlegten Algorithmen sowie mithilfe selbst entwickelter Sensoren bestimmte Funktionalitäten in ­eigener Regie ausführen – wir nennen das iSolutions.


Abb.3 Hochdruckpumpen BMS für den Einsatz in Umkehrosmoseanlagen, die selbstansaugenden ­Hybridpumpen GHP zum Fördern? gashaltiger Medien oder Norm-?und Blockpumpen NB/NK aus Edelstahl sowie intelligente Sensoren

Grundfos ist mehrheitlich im Besitz einer Stiftung. Wie nutzt das Unternehmen die Unabhängigkeit von Börsennotierungen?

Weil keine fremden Shareholder Kapital abziehen, sind wir unabhängig von Banken – und dennoch sehr kapitalkräftig: Mit verzinslichen Nettoeinlagen in Höhe von fast 354 Mio. Euro und einer Eigenkapitalquote von 65,3% war Grundfos nie stärker als heute. Wir stehen nicht zum Verkauf und bestimmen selbst, wie viel Geld wir in neue Entwicklungen investieren. Konkret wenden wir jedes Jahr etwas mehr als 6% unseres Umsatzes für Forschung und ­Entwicklung auf; umgerechnet sind das 180 Mio. Euro pro Jahr. Ich kenne niemanden in unserer Branche, der ähnliche Summen in die Forschung und Entwicklung steckt.

Seit 2002 gibt es einen Grundfos-Preis für Forschung. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten für die Forschung und Entwicklung bei Grundfos?

In die eigene F&E investieren wir wie gesagt jedes Jahr etwas mehr als 6% des ­Umsatzes. In vielen Entwicklungsprojekten beziehen wir selbstverständlich auch ex­terne Fachleute und Wissenschaftler mit ein. In Deutschland arbeiten wir im Forschungsfonds Pumpen (FFP) des VDMA mit – Systemeffizienz, bedarfsgerechte Leistungs­aufnahme, Wirkungsgradoptimierung, intel­ligente Steuer- und Regelungskonzepte, optimierte Werkstoffauswahl und optimierter Werkstoffeinsatz, Computational Fluid Dynamics (CFD), Reduzierung der Umwelteinflüsse sind nur einige Stichworte, die die Breite der Forschungsaktivitäten im Forschungsfonds Pumpen beschreiben.

Um die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten darüber hinaus zu festigen, hat die Poul Due Jensen-Stiftung im Jahr 2001 den Grundfos-Forschungs-Preis in Höhe von 1 Mio. DKK initiiert (Red.: rund 135.000 Euro). Sein Zweck ist es, inno­vative und vorausschauende Lösungen im ingenieur- und naturwissenschaftlichen Be­reich zu fördern und dafür die nationale und internationale Forschung zu unterstützen.

2015 ist ACHEMA-Jahr. Wie ist Ihre Prog­nose für unsere Branche und ihre Wachstumsaussichten?

Niemand ist eine Insel, wir sind abhängig von Entwicklungen, die wir nicht selbst ­beeinflussen können – ich denke da beispielsweise an die gegen Russland verhängten Sanktionen, die uns direkt als Konzern, aber auch als Ländergesellschaften betreffen. Die positiven Signale für 2015 überwiegen: Der im Dezember vom Bund verabschiedete Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) wird unseren Umsatz ebenso stimulieren wie das EU-weit auf­gelegte, milliardenschwere Investitions­programm. Auch die Prognose des VCI hinsichtlich der Chemiekonjunktur ist für 2015 mit einem Wachstumsplus von 1,5% durchaus positiv. Und das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln meldet, dass die Maschinen- und Anlagenbauer Impulse aus dem Ausland erwarten, weil die beiden größten Exportmärkte China und die USA bereits wieder mehr Maschinen und Anlagen aus deutscher Fertigung kaufen.

Wir werden fokussiert und entschlossen Wege finden und Prioritäten setzen, um ­unser Kerngeschäft in den richtigen Märkten mit energieeffizienten, hochwertigen Produkten und innovativen Technologien zu stärken, zum Nutzen der Kunden und der Umwelt.

*Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.*
(Interview: Horst Holler)

Bild: © istockphoto.com, PeopleImages

C&M 1 / 2015

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe C&M 1 / 2015.
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